Discussion:
Grenztruppen der DDR
(zu alt für eine Antwort)
Andreas
2013-08-18 17:51:28 UTC
Permalink
Hallo,

gibt es einen Thread irgendwo über die tatsächlichen Aufgaben der GT im
Ernstfall?

Stand der Forschung ist ja gegenwärtig, dass wir jeden Angriff der NATO
hätten rechtzeitig aufklären und gemäß unserer Doktrin, den Agressor auf
seinem eigenen Territorium zu zerschlagen, unterlaufen können. Mithin
wäre die Aufgabe der GT, die Grenze zu halten ja obsolet gewesen. Sollten
sie eventuell ebenso wie die Bezirkskampfkräfte der Kampfgruppen in die
regulären Feldarmeen integriert werden? Etwa als eine Art Jägereinheiten?

Gruß, Andreas.
Lars Gebauer
2013-08-20 15:30:22 UTC
Permalink
Ein militärisches "Grenze halten" wäre schon an der fehlenden
Tiefenstaffelung gescheitert.
Nunja, das Konzept des Haltens irgendwelcher Linien ist schon im WK II
an sehr enge Grenzen gestoßen. Bedingt durch den moderneren
Bewegungskrieg. Die hatten damals dann eine Hauptkampflinie, eine
Großkampflinie und wer weiß, was sonst noch. Chaos pur und genützt hat
es doch nichts.

Die Aufgabe der Grenztruppen dürfte simpel gewesen sein, den Angreifer
frühzeitig, möglichst noch auf seinem eigenen Gelände, zur Entfaltung zu
bewegen. Das wäre gegangen. Mehr wäre nicht leistbar gewesen.
Von Waffen mal ganz zu schweigen.
Das ist nicht so das Problem: Man nimmt einer Infanteriedivision einfach
alle schweren Waffen und alles schwere Gerät weg und was hat man? Trara:
Eine leichte Infanteriedivision.

Diese muß natürlich spezielle Taktiken entwickeln und üben aber kann,
genau deswegen, zu einem äußerst unangenehmen Gegner werden.

Und hier dürfte der Hase viel eher im Pfeffer liegen: Hatten die
Soldaten und Offiziere (!) der Grenztruppen eine entsprechende
Ausbildung? - Wohl eher nein.
Die Einheiten der GT waren ortsfest. Eine im militärischen Sinne
Mobilität gab es nicht.
Wiederum kein Problem. Eine leichte Infanterietruppe kann man auch ganz
gut mit requirierten Fahrzeugen mobil machen. Soviel schweres Zeux haben
die ja nicht (mehr).

(F'up)
Martin Ebert
2013-08-20 21:29:26 UTC
Permalink
Post by Lars Gebauer
Ein militärisches "Grenze halten" wäre schon an der fehlenden
Tiefenstaffelung gescheitert.
Nunja, das Konzept des Haltens irgendwelcher Linien ist schon im WK II
an sehr enge Grenzen gestoßen. Bedingt durch den moderneren
Bewegungskrieg. Die hatten damals dann eine Hauptkampflinie, eine
Großkampflinie und wer weiß, was sonst noch. Chaos pur und genützt hat
es doch nichts.
Die Aufgabe der Grenztruppen dürfte simpel gewesen sein, den Angreifer
frühzeitig, möglichst noch auf seinem eigenen Gelände, zur Entfaltung zu
bewegen. Das wäre gegangen. Mehr wäre nicht leistbar gewesen.
Nichtmal das. - Heute wird implizit angenommen, dass da sicher auf
50 Meter ein Grenzer kam. Real war es aber so, dass ein Postenpaar
gern mal einen Abschnitt von 6 km Länge hatte. Wie sollen die beiden
Hanseln denn da bitteschön den Gegner aufhalten? Laut bellen?
Post by Lars Gebauer
Von Waffen mal ganz zu schweigen.
Das ist nicht so das Problem: Man nimmt einer Infanteriedivision einfach
Eine leichte Infanteriedivision.
Die aus Kampfverbänden der Reihe Regiment, Bataillon besteht. Derartige
Verbände hatte die GT nicht; lediglich der Struktur nach.
Post by Lars Gebauer
Diese muß natürlich spezielle Taktiken entwickeln und üben aber kann,
genau deswegen, zu einem äußerst unangenehmen Gegner werden.
Und hier dürfte der Hase viel eher im Pfeffer liegen: Hatten die
Soldaten und Offiziere (!) der Grenztruppen eine entsprechende
Ausbildung? - Wohl eher nein.
Schützenkette war das höchste der Gefühle. Wenn wir jetzt mal von
Art-Einheiten absehen, die hätte man natürlich umgruppieren können.
Post by Lars Gebauer
Die Einheiten der GT waren ortsfest. Eine im militärischen Sinne
Mobilität gab es nicht.
Wiederum kein Problem. Eine leichte Infanterietruppe kann man auch ganz
gut mit requirierten Fahrzeugen mobil machen. Soviel schweres Zeux haben
die ja nicht (mehr).
Du musst die aber wirklich von jedem Kleckerdorf einsammeln. Im
Hauptkampfgebiet.

Wie gesagt: Mündlich übermittelter Lehrstoff zu dieser Frage war:
Überlebende melden sich bei der nächsten Einheit.

Mit heutigem Wissen konnte man mit der GT im Falle des Falles
wenig anfangen: Das "wir" verlieren war ansich nicht vorgesehen.
In dem Fall wären wir wohl im westlichen Internierungslager
gewesen. Im Lehrfall schlagen wir den Feind auf seinem Territorium:
Da wäre im Grunde kein Transport möglich gewesen; die vorrückende
2. Staffel blockiert sämtliche Hauptmarsch- und Marschwege.

Mt
Lars Gebauer
2013-08-21 11:26:17 UTC
Permalink
Post by Martin Ebert
Post by Lars Gebauer
Die Aufgabe der Grenztruppen dürfte simpel gewesen sein, den
Angreifer frühzeitig, möglichst noch auf seinem eigenen Gelände,
zur Entfaltung zu bewegen. Das wäre gegangen. Mehr wäre nicht
leistbar gewesen.
Nichtmal das.
Oh doch.
Post by Martin Ebert
- Heute wird implizit angenommen, dass da sicher auf 50 Meter ein
Grenzer kam. Real war es aber so, dass ein Postenpaar gern mal einen
Abschnitt von 6 km Länge hatte. Wie sollen die beiden Hanseln denn da
bitteschön den Gegner aufhalten? Laut bellen?
Denkfehler: Nicht "aufhalten" sondern "zur Entfaltung bewegen". Das ist
ein Unterschied.

Daß man eine anfahrende Panzerdivision nicht aufhält ist völlig klar.
Der Unterschied ist aber, wann man die begleitende Infanterie zum
Absitzen zwingt.
Post by Martin Ebert
Post by Lars Gebauer
Die Einheiten der GT waren ortsfest. Eine im militärischen Sinne
Mobilität gab es nicht.
Wiederum kein Problem. Eine leichte Infanterietruppe kann man auch
ganz gut mit requirierten Fahrzeugen mobil machen. Soviel schweres
Zeux haben die ja nicht (mehr).
Du musst die aber wirklich von jedem Kleckerdorf einsammeln. Im
Hauptkampfgebiet.
Hauptkampfgebiet ist nicht überall. Der Angreifer wird Schwerpunkte bilden.
piddiw
2013-08-20 16:23:50 UTC
Permalink
Post by Andreas
Hallo,
gibt es einen Thread irgendwo über die tatsächlichen Aufgaben der GT im
Ernstfall?
Stand der Forschung ist ja gegenwärtig, dass wir jeden Angriff der NATO
hätten rechtzeitig aufklären und gemäß unserer Doktrin, den Agressor auf
seinem eigenen Territorium zu zerschlagen, unterlaufen können. Mithin
wäre die Aufgabe der GT, die Grenze zu halten ja obsolet gewesen. Sollten
sie eventuell ebenso wie die Bezirkskampfkräfte der Kampfgruppen in die
regulären Feldarmeen integriert werden? Etwa als eine Art Jägereinheiten?
Gruß, Andreas.
Ach?
Ich dachte die wären nur da gewesen um die eigene Bevölkerung vom
Ausreisen abzuhalten.

Das haben sie doch ganz gut geschafft .... den geübten Umgang mit der
AK haben sie jedenfalls oft genug nachgewiesen.
Loading...